Wahlen und Börse: Was Brasiliens Milliarden-Wette über die US-Midterms verrät
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Rund 4 Milliarden US-Dollar in drei Wochen: So viel Geld floss im Oktober in einen einzigen Brasilien-ETF, als Wette auf einen Wahlsieger. Die Umfragen sahen ihn knapp vorn, die Wettmärkte klar, die Anleger sowieso. Dann gewann der andere. Am 3. November wählen die USA. Was der Wahlschock in Brasilien über Börse, Prognosen und deinen Sparplan verrät, und warum ein Blick ins Jahr 2002 die Geschichte noch einmal dreht.
Das Wichtigste in Kürze
- Brasilien: Anleger setzten auf einen Sieg von Flávio Bolsonaro. Am 25. Oktober gewann Präsident Lula die Stichwahl mit 51,8 Prozent. Börse und Währung brachen am Tag danach ein.
- Die Wette: Der in New York gelistete iShares MSCI Brazil ETF (EWZ) sammelte vom 1. bis 23. Oktober rund 4,1 Milliarden US-Dollar ein und verlor am 26. Oktober 19,8 Prozent.
- US-Midterms 2026: Seit 1950 lag der S&P 500 zwölf Monate nach jeder dieser Zwischenwahlen im Plus. Eine Garantie für die Zukunft ist das nicht.
- Dein Depot: In den meistbesparten Welt-ETFs unserer Community machen US-Aktien rund 63 bis 73 Prozent aus. Brasilien spielt kaum eine Rolle.
Brasilien-Wahl 2026: eine Wette, auf die fast alle setzten
Am 4. Oktober landete Flávio Bolsonaro, Senator und Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro, im ersten Wahlgang mit rund 47 Prozent vor Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva. Die letzten Umfragen hatten noch Lula vorn gesehen. Die Börse feierte: Der Brasilien-ETF EWZ sprang am nächsten Handelstag um gut 12 Prozent, laut InvestorPlace sein bester Tag seit März 2020.
Viele Investoren erhofften sich von Bolsonaro einen strengeren Sparkurs. Die Bruttostaatsverschuldung liegt laut Zentralbank bei knapp 83 Prozent der Wirtschaftsleistung. Weniger Ausgaben, so die Hoffnung, würden die hohen Finanzierungskosten des Landes senken.
Und so floss das Geld. Vom 1. bis 23. Oktober zog allein der EWZ laut Daten von ETF.com und FactSet rund 4,1 Milliarden US-Dollar an, fast 30 Prozent seines Fondsvermögens. Die Zeichen schienen klar: Laut einer Auswertung von The Rio Times lag Bolsonaro in 39 von 45 Umfragen zur Stichwahl vorn, meist knapp und innerhalb der Fehlermarge. Auf den Prognosemärkten Kalshi und Polymarket lag seine Siegwahrscheinlichkeit am Tag vor der Wahl bei rund 80 Prozent.
Stell dir ein volles Boot vor, in dem alle auf dieselbe Seite laufen. Solange das Wasser ruhig bleibt, passiert nichts. Kommt die Welle von der anderen Seite, wird es nass.
Nach der Stichwahl: Die Welle kommt
Am Sonntag, dem 25. Oktober, gewann Lula die Stichwahl mit 51,8 zu 48,2 Prozent. Für ihn ist es die vierte Amtszeit. Bolsonaro erkennt das Ergebnis bislang nicht an, seine Partei hat Lulas Sieg dagegen anerkannt.
Am Montag fiel der Leitindex Ibovespa kurz nach Handelsstart um 10 Prozent, die Börse in São Paulo setzte den Handel für 30 Minuten aus, erstmals seit März 2020. Danach lag das Minus zeitweise bei gut 17 Prozent, zum Schluss bei 13,9 Prozent. Der US-Dollar verteuerte sich gegenüber dem Real zeitweise um rund 12 Prozent, zum Handelsschluss um gut 8 Prozent.

Und der EWZ verlor 19,8 Prozent, laut Moneywise sein zweitschlechtester Handelstag seit dem Start im Jahr 2000. Aus 10.000 US-Dollar im EWZ wurden an einem einzigen Tag rund 8.000. Der gesamte Kursgewinn seit dem ersten Wahlgang war damit mehr als ausgelöscht, und eine Erholung blieb bislang aus.
Der Plot-Twist: Was ein Wahlabend über die nächsten Jahre verrät
Ganz neu ist diese Szene für Brasilien nicht. Schon vor Lulas erster Wahl im Jahr 2002 gingen Real und Aktien deutlich auf Talfahrt, die Sorge vor einem wirtschaftspolitischen Kurswechsel war groß. In den Jahren danach erlebte Brasiliens Aktienmarkt, getragen vor allem vom weltweiten Rohstoffboom, eine seiner stärksten Phasen: Bis 2010 stieg der Ibovespa in US-Dollar gerechnet auf ein Vielfaches.
Ein verlässliches Muster ist das nicht: 2026 ist nicht 2002, und vergangene Entwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Doch der Tag nach einer Wahl verrät oft mehr über die Erwartungen der Anleger als über die nächsten Jahre eines Landes.
US-Midterms 2026: Darum geht es am 3. November
Am 3. November finden in den USA die Midterms statt, die Zwischenwahlen zur Mitte der Amtszeit des Präsidenten. Gewählt werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und gut ein Drittel der Sitze im Senat. Derzeit haben die Republikaner in beiden Kammern eine knappe Mehrheit. In landesweiten Umfragen zur Kongresswahl liegen die Demokraten vorn. Dass Umfragen danebenliegen können, hat Brasilien gerade gezeigt.
Für dein Depot ist diese Wahl wahrscheinlich wichtiger als die in Brasilien. Ein Blick auf die meistbesparten ETFs unserer Community im dritten Quartal zeigt, warum: Im MSCI World, dem Index hinter dem iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983), machen US-Aktien laut MSCI 72,9 Prozent aus (Stand: 30.09.2026). Brasilien kommt dort gar nicht vor, denn der Index umfasst nur Industrieländer. Im SPDR MSCI ACWI IMI (IE00B3YLTY66), der auch Schwellenländer enthält, liegt der US-Anteil laut aktuellem Factsheet bei rund 63 Prozent, Brasilien bei 0,5 Prozent.
Midterms und Börse: Was die Geschichte sagt
Erst die gute Nachricht, mit Sternchen. Laut einer Auswertung von Capital Group lag der S&P 500 in den zwölf Monaten nach jeder Midterm-Wahl seit 1950 im Plus, im Schnitt mit rund 15 Prozent. Die Bank of America kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Seit dem Zweiten Weltkrieg stieg der Index in jedem Sechs- und Zwölfmonatszeitraum nach den Zwischenwahlen.
Eine häufig genannte Erklärung: Vor der Wahl ist offen, wer künftig im Kongress das Sagen hat. Steht das Ergebnis fest, verschwindet ein Teil der Unsicherheit. Und Märkte mögen Unsicherheit ungefähr so sehr wie Katzen ein Vollbad.
Jetzt zum Sternchen:
- Midterm-Jahre selbst laufen oft holpriger. Seit 1931 legte der S&P 500 in Midterm-Jahren laut Capital Group im Schnitt um 4,7 Prozent zu, in den übrigen Jahren um 9,5 Prozent. 2026 ist bisher eine Ausnahme: Bis zum 28. Oktober stieg der Index um rund 13 Prozent.
- Die Stichprobe ist klein. Seit 1950 gab es 19 Midterm-Wahlen. Das ist eine interessante Statistik, kein Naturgesetz.
- Die Zahlen gelten in US-Dollar. Wer aus dem Euroraum investiert, hat zusätzlich Währungsschwankungen im Depot.
Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.
Was Wahlen für deinen Sparplan bedeuten
Niemand weiß, wer am 3. November gewinnt. Und selbst wer es wüsste, könnte nicht sicher sagen, wie die Börse darauf reagiert. Brasilien hat gezeigt, dass beides danebengehen kann. Die entlastende Nachricht: Für einen langfristigen Sparplan musst du den Wahlausgang auch nicht kennen.
Wie teuer es werden kann, Politik und Depot zu vermischen, zeigt eine hypothetische Beispielrechnung von BlackRock: Aus 100.000 US-Dollar, 2013 im S&P 500 angelegt, wurden bis Anfang 2026 rund 398.000 Dollar. Wer jeweils ausstieg, wenn seine Wunschpartei nicht an der Macht war, kam nur auf 186.000 bis 214.000 Dollar. Und zwar egal, für welche Partei das Herz schlug.
Ein Sparplan nimmt dir eine Entscheidung ab, die selbst Profis schwerfällt: den richtigen Zeitpunkt. Er kauft regelmäßig zum jeweils aktuellen Kurs, nach einem Kursrutsch bekommst du für denselben Betrag also mehr Anteile. Breit gestreute ETFs verteilen dein Geld auf Tausende Unternehmen in vielen Ländern. Ein Wahlschock in einem einzelnen Land wird so eher zur Welle im Wasserglas als zum Sturm. Vor Verlusten schützt das nicht: Auch Welt-ETFs schwanken, und wenn die Börsen weltweit fallen, fallen sie mit. Wie du einen Sparplan einrichtest, zeigen wir dir in Sparen mit Aktien, ETFs und Fonds.
Und Brasilien? Manche Anleger sehen in Einbrüchen wie diesem eine Chance, andere ein Warnsignal. Wer gezielt in einzelne Länder investieren möchte, findet in der SMARTBROKER+ App auch Länder-ETFs, etwa den iShares MSCI Brazil UCITS ETF (IE00B0M63516).

Den US-ETF EWZ können Privatanleger in der EU dagegen in der Regel nicht kaufen. Ein Länder-ETF bündelt die Risiken eines einzelnen Marktes, im Fall von Brasilien inklusive Währungsrisiko und politischer Schwankungen. Warum Schwellenländer eher als Beimischung gelten, liest du in Emerging-Markets-ETFs: Lohnt sich das zusätzliche Risiko?
Die genannten Wertpapiere sind keine Empfehlung. Die Verkaufsunterlagen zu jedem verlinkten Produkt findest du in der SMARTBROKER+ App auf der jeweiligen Produktseite unter dem Reiter „Info“.
Wahlen entscheiden über Regierungen. Was in zehn Jahren in deinem Depot liegt, hängt meist weniger an einem Wahlabend als an den vielen ganz normalen Monaten dazwischen.
FAQ
Wann sind die US-Midterms 2026? Am Dienstag, dem 3. November 2026, zwei Jahre nach der Präsidentschaftswahl. Gewählt werden alle Abgeordneten des Repräsentantenhauses, gut ein Drittel der Senatoren und in vielen Bundesstaaten die Gouverneure. Der Präsident selbst steht nicht zur Wahl.
Wie reagiert die Börse auf die Midterms? Ein festes Muster gibt es nicht. Historisch lag der S&P 500 in den zwölf Monaten nach Midterms unabhängig vom Ausgang im Plus, kurzfristig können Überraschungen aber für kräftige Schwankungen sorgen. Eine Garantie für die Zukunft ist das nicht.
Sollte ich meinen Sparplan vor einer Wahl ändern? Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend ist, ob deine Geldanlage zu deinen Zielen, deinem Anlagehorizont und deiner Risikobereitschaft passt. Wahlprognosen sind dafür ein unsicherer Kompass, wie das Beispiel Brasilien zeigt.
Quellen: Reuters, AFP, Al Jazeera, Börsen-Zeitung, Banco Central do Brasil, Oberstes Wahlgericht Brasiliens (TSE), InvestorPlace, Moneywise (Daten: ETF.com und FactSet), The Rio Times, Ballotpedia, Capital Group, Bank of America (via investingLive), BlackRock, MSCI, State Street Global Advisors sowie Sparplan-Topseller von SMARTBROKER+ (drittes Quartal 2026). Stand: 29.10.2026.
Disclaimer
Ausdrücklich weist die Smartbroker AG darauf hin, dass ein Investment in Wertpapiere und sonstige Finanzinstrumente im Sinne des WpHG grundsätzlich mit erheblichen Chancen und Risiken (Preis-, Markt-, Währungs-, Volatilitäts-, Bonitäts- und sonstigen Risiken) verbunden ist und ein Totalverlust des investierten Kapitals nicht ausgeschlossen werden kann. Die Smartbroker AG empfiehlt deshalb jedem Leser und jeder Leserin sich vor einer Anlageentscheidung intensiv mit den Chancen und allen Risiken auseinander zu setzen und sich umfassend zu informieren. Sämtliche verwendeten Wertentwicklungsangaben, sei es für die Vergangenheit oder im Sinne einer Prognose bzw. Einschätzung sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse bzw. Wertentwicklungen. Die hier angebotenen Beiträge dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Alle Informationen sind sorgfältig zusammengetragen, haben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sind unverbindlich sowie ohne Gewähr. Des Weiteren dient die Bereitstellung der Information nicht als Rechtsberatung, Steuerberatung oder wertpapierbezogene Beratung und ersetzt diese nicht. Eine an den persönlichen Verhältnissen des Kunden ausgerichtete Anlageempfehlung, insbesondere in der Form einer individuellen Anlageberatung, der individuellen steuerlichen Situation und unter Einbeziehung allgemeiner sowie objektspezifischer Grundlagen, Chancen und Risiken, erfolgt ausdrücklich nicht.